Der nachfolgende Artikel ist von Nadine Rühleman vom Verlag Grüning. Er gibt unserer Einschätzung nach einige wertvolle Tipps zum schnelleren Lesen, sodass wir ihn online gestellt haben – urteilt selbst!
“Der Begriff „Speed Reading“ ist wieder in aller Munde. Derzeit vielleicht mehr denn je zuvor? Aber warum? Weil Leistungsdruck und Informationsfluss immer mehr stärker zu werden scheinen.
Die Akademie Grüning gibt die Technik des Visual Reading weiter. Eine Technik, mit der man Informationen nicht nur schneller aufnimmt, sondern vor allem schneller versteht und langfristig behält. Denn genau hier liegt das größte Problem bei unserem herkömmlichen Lesen: die mangelnde Erinnerung. Mit Hilfe des Visual Reading können Sie durch einfache Übungen Ihre Lesegeschwindigkeit und somit auch Ihr Textverständnis verbessern.
Die durchschnittliche Lesegeschwindigkeit liegt bei ca. 160-240 Wörter pro Minute (wpm). Eine ganz einfache Methode sorgt dafür, dass Sie 1/3 schneller lesen als zuvor. Untersuchungen in einem Leselabor ergaben, dass das Auge 1/3 der „Lesezeit“ für das Suchen der neuen Zeile braucht. Das heißt konkret, wenn Sie drei Stunden gelesen haben, haben Sie eine Stunde allein damit verbracht, die nächste Zeile zu suchen. Um diesem Problem Abhilfe zu schaffen, verwenden Sie von nun an eine Lesehilfe. Ihre Lesehilfe kann ein Stift oder aber Ihre Hand bzw. ein Finger sein.
An dieser Stelle wird von dem einen oder anderen Leser sicher eingewendet, dass diese Art zu Lesen doch nach der Grundschule abgelegt wurde. Bei dieser Übung wird Ihre Lesehilfe jedoch nicht im Schneckentempo über den Text schleichen. Die Bewegung gleicht eher einem schnellen Wischen. Lesen Sie jetzt einige Minuten mit der Lesehilfe um sich wieder daran zu gewöhnen.
Die Verstärkung der Konzentration auf den Text ist ein weiterer Vorteil der Lesehilfe. Beim herkömmlichen Lesen werden nur 40 neuronale Bit/Sek von 126 der maximalen „Hirnverarbeitunggeschwindigkeit“ genutzt. Macht man sich das bewusst ist schnell klar, warum die Gedanken während des Lesens oft abschweifen. Nicht, weil der Text zu schwer oder komplex ist, sondern weil das Gehirn zu wenig Informationen bekommt und ihm daher „langweilig“ ist. Das Gehirn möchte immer 126 Bit/Sek nutzen. Geschieht dies nicht beim Lesen, werden die freien Ressourcen anderweitig verwendet: So z.B.-für die Abend- oder Wochenendplanung, oder aber um sich mit Selbstzweifeln zu plagen. Wenn Sie schneller lesen, nutzen Sie mehr der möglichen Kapazität, störende Einflüsse lassen sich minimieren.
Diese Tatsache erklärt auch, warum es wenig nutzt, eine Textstelle, die einem schwierig erscheint, immer wieder und deutlich langsamer zu lesen: das Gehirn bekommt noch weniger Informationen und kann die Zusammenhänge im Text noch weniger erkennen und zusammenfügen.
Ein weiterer wichtiger Punkt für ein gutes Erinnern an den Inhalt des gelesenen Textes ist der sogenannte Primacy- und Recency-Effekt. Bei einem Versuch wurden drei Gruppen ein identischer Text gegeben. Die erste Gruppe las länger als zwei Stunden am Stück, die zweite Gruppe las genau zwei Stunden und die dritte Gruppe las jeweils ½ Stunde, pausierte dann kurz und las dann erst weiter. Anschließend wurden alle Gruppen über das Gelesene aus genau zwei Stunden befragt. Die erste Gruppe wusste viel vom Anfang aber vom Ende nicht mehr so viel. Diese Gruppe hatte länger als zwei Stunden gelesen. Die zweite Gruppe wusste viel vom Anfang und vom Ende viel. Diesen Effekt nennt man Primacy-/Recency-Effekt. Die dritte Gruppe konnte sich durch die Pausen diesen Effekt gleich viermal zu Nutzen machen und wusste vom gesamten Text deutlich mehr.
Auch das Wiederholen in eigenen Worten ist eine gute Technik, um viel Text „in den Griff“ zu bekommen. Zudem wird dadurch eine weitere Fähigkeit trainiert: Das Finden von Schlüsselwörtern. Diese „entschlüsseln“ den Text wieder. Es handelt sich also um ein Stichwort, bei dem der Rest des Absatzes oder gar des ganzen Textes wieder präsent ist.
Machen Sie sich zu einem besonders ausführlichen Text Notizen, benutzen Sie lediglich die Schlüsselwörter. So entschlacken Sie Ihre Aufzeichnungen und erkennen schneller, welche Punkte wesentlich sind.
Ein guter Leser wird einen wichtigen Text auch nicht nur einmal, sondern mehrmals lesen. Wenn Sie schneller lesen als vorher, kostet Sie dies auch keine wertvolle Zeit, sondern erhöht das Verständnis und die Erinnerung. Als letztes ist ebenso wichtig, dass Sie – wenn Sie einen Text markieren – dies durchdacht tun. Sie sollten keine ganzen Sätze oder Abschnitte markieren, sondern auch hier nur die Schlüsselwörter. Sollte das für Sie passende Schlüsselwort nicht im Text vorkommen, notieren Sie sich Ihr eigenes neben den Text.
Wir wünschen Ihnen viel Spaß und Erfolg beim Training Ihrer Lesegeschwindigkeit. Sollten Sie an weiteren Übungen und Tipps interessiert sein, so können Sie diese in den Büchern „Garantiert erfolgreich lernen – Wie Sie Ihre Lese- und Lernfähigkeit steigern“ und „Visual Reading – Garantiert schneller lesen und mehr verstehen“ sowie in den gleichnamigen Seminaren zu Lern- und Arbeitstechniken erfahren.
Weitere Übungen zur Verbesserung der Lesefähigkeit
Wie Sie Ihren Standort bestimmen: Die Einheit „Wörter pro Minuten“ (wpm)
Nehmen Sie ein Buch, möglichst ohne viele Abbildungen und möglichst kein Sachbuch, zur Hand.
Als Vorbereitung zählen Sie zunächst in fünf Zeilen alle Wörter und teilen dann die gefundene Zahl durch fünf. Jetzt haben Sie einen Mittelwert für die Wörter pro Zeile.
Stoppen Sie nun bei normaler Lesegeschwindigkeit eine Minute Lesezeit.
Abschließend zählen Sie die gelesenen Wörter (oder Zeilen x Mittelwert) – jetzt haben Sie Ihre aktuelle Lesegeschwindigkeit.
Speed Reading / Visual Reading Übung: Erinnerung verbessern
Lesen Sie 10 Minuten in Ihrem Übungsbuch. Machen Sie dabei nach jedem Absatz eine kurze Pause und wiederholen Sie das Gelesene im Geiste in eigenen Worten.
Speed Reading / Visual Reading Übung: Schlüsselwörter finden
Suchen Sie sich in Ihrem Trainingsbuch eine beliebige Seite aus. Nun lesen Sie einen Absatz und versuchen, diesen auf ein Schlüsselwort zu reduzieren. Suchen Sie sich nun eine neue Seite und einen neuen Absatz und verfahren Sie hier ebenso. Zeitliche Beschränkung: 10 Minuten”
von Nadine Rühlemann
